Weil wir soziale, humane Grundlagen geschaffen haben

Das Ziel wurde erreicht. 728 Rettungskräfte, wie der Einsatzleiter Klemens Reindl bekannt gab und 202 Personen, die in der Riesendinghöhle ihre Aufgaben erfüllt hatten, schafften das Wunder. Eine Person mit einer schweren Kopfverletzung, einem Jochbeinbruch und Schädel-Hirn-Trauma wurde von einem Sanitäter und Ärzten in einer Höhle erstversorgt, stabilisiert und dann von mehreren Teams derart sorgfältig aus der Höhle transportiert, dass keine weiteren gesundheitlichen Schäden verursacht wurden.

Eine gut organisierte humane Gesellschaft sorgt über soziale Leistungen und Fürsorgemaßnahmen für ihre Mitglieder. Wer zu diesem Personenkreis zählt, ist bei einem Unfall am Berg oder im Wasser, in der Stadt oder auf dem Land, keine Frage, erstversorgt. Jeder Person, die in eine Notsituation gerät, wie es beim akuten Einsatz im Bereich der Höhlenforschung geschah, wird geholfen.

In vielen Fällen sind es Versicherungen, die bei der Finanzierung von Rettungskosten zur Kasse gebeten werden. Gleichzeitig ist dies eine einmalige Situation, welche alle Beteiligten, mehr über Möglichkeiten eines internationalen Rettungseinsatzes gelehrt hat. Daraus ziehen Rettungsorganisationen Nutzen, der wiederum der Gesellschaft zugute kommt. Deshalb wäre es verständlich wenn der Freistaat Bayern, in Form von Hilfeleistung durch Hubschraubereinsätze, dem Zurverfügungstellen von Kasernen, Militär, Polizei und Material, für einen Teil der Kosten aufkommt. Ein weiterer, wesentlicher Beitrag wird von jenen Personen geleistet, die ihre Zeit und ihr Knowhow zur Verfügung gestellt hatten, ohne eine Rechnung zu stellen. Ein Beitrag, der wahrscheinlich nicht zu unterschätzen ist. Sie hatten Urlaub nehmen müssen, möglicherweise Verdienstentgang in Kauf genommen und Kosten für die An- bzw. Abreise finanziert.

Der Kommentar des Spiegel Reporters „Kosten der Menschlichkeit“ geht jener Begründung nach, warum ein derart aufwändiger Einsatz, in dieser Form, aus moralischen Gründen abgewickelt werden musste. Weil wir Menschen sind und einem anderen Hilfe leisten und und weil die Ursache der Begehung der Höhle durch drei Forscher einem grundlegenden Lebenszweck des Menschen gewidmet ist. Der Neugierde und daraus resultierend der Weiterentwicklung humanen Lebens.

Eine Korrespondentin zitierte am Tag der Rettung den Einsatzleiter: „Erst retten, dann rechnen!“. Und nun, während gerechnet wird, ist für Transparenz hinsichtlich der Ergebnisse dieser Kosten- und Finanzrechnung zu sorgen. In einer vernunftorientieren, menschlichen Gesellschaft macht es auch Sinn über Kosten, Verteilung, Gesamtnutzen und Eigenleistung hunderter Personen ebenso klar und deutlich zu sprechen, wie die Berwacht Bayern während unzähliger Pressekonferenzen den Ablauf der Rettungsaktion kommentiert hatte. Insofern kann ich den Kommentaren in Internetforen nicht zustimmen, welche die Frage nach Kosten völlig ablehnen. Es kommt auf den Zeitpunkt an – erst retten, dann rechnen.

Nun sind andere Experten gefragt, die beim Rechnen den Gesamtnutzen für die Gesellschaft in Betracht ziehen, welcher eine geglückte Rettung für weitere Einsätze bringt. Man denke nur an die Umwegrentabilität der Salzburger Festspiele, deren Nebeneffekte wesentlich häufiger für die Kosten-Nutzen Rechnung argumentativ verwendet werden, als der Kostenbeitrag der öffentlichen Suvention.

Ich war selbst mit einer aufwändigen Gehirnoperation konfrontiert. Seit vielen Jahren muss ich in regelmäßigen Abständen teure Untersuchungen in Anspruch nehmen und ich bin glücklich darüber. Eine großartige, soziale Errungenschaft, dass durch meine regelmäßigen Versicherungszahlungen und die Leistung aller Einzelnen, der besondere Fall finanzierbar ist. Der Einzelne wird von der Gesellschaft getragen und der Einzelne trägt das System. Bei den Drei Musketieren hieß es: Einer für alle und alle für einen.“ Diese Errungenschaft möchte ich nicht durch Diskussionen verwässern, diese zivile Errungenschaft steht in keinem Verhältnis zu den Kosten.

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Am Rande eines Wunders

Es ist gelungen. Ein Mensch, der am Samstag, dem 7. Juni in 1000 m Tiefe im Inneren des Untersbergs von Steinschlag am Hals schwer verletzt wurde, konnte gerettet werden. Als ich diese Nachricht hörte, konnte ich mir nicht vorstellen, wie eine Rettung aus dieser Tiefe mit all den Schwierigkeiten, die sich durch enge Schluchten, unwahrscheinliche Schächte und Canyons auftun, möglich sein sollte. Ich stellte mir vor, wie der Begleiter, der beim Verletzten geblieben war, diesen versorgen konnte. In der Höhle ist es kalt, vielleicht 3 oder 4 Grad, das sind Temperaturen wie im Winter. Dazu die Unbeweglichkeit und die Unsicherheit über die Schwere der Verletzung, mangelnde Medikamente und die Stille.

Der zweite Begleiter, der Hilfe holte, benötigte ca. 12 Stunden, um aus eigener Kraft, kletternd, kriechend, volltrainiert und gesund, wieder an die Oberfläche zu kommen. Zu jenem Zeitpunkt, als die Nachricht das erste Mal gesendet wurde, erschien die Rettung eines Schwerverletzten aus dieser Tiefe der Höhle für Laien absolut unmöglich.

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Untersberg im Hintergrund

„Es gibt nichts, was es nicht gibt!“ Ein blöder Spruch, der mir in diesem Moment einfällt. Es war möglich, weil besonnene, erfahrene und mutige Menschen ihr Können, ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Bereitschaft unter professioneller Leitung eingebracht hatten. Der Bergwacht Bayern war der Einsatz, mit Hilfe internationaler Experten und beispielloser Kameradschaft gelungen.

Einen Schwerverletzten über unwegsames Gelände in einer dunklen Höhle, kalt und unberechenbar, schwierigst zu begehen, über viele Kilometer Karstlandschaft, im Inneren einer Höhle zu transportieren.

In den vergangenen Tagen war das Brummen der Motoren ständig zu hören. Dieser kurz aufkommende und rasch wieder verschwindende Klang der Hubschrauber ertönt heute, nach wie vor, in unregelmäßigen Abständen. Das Geschehen rund um den und im Untersberg ist noch nicht zu Ende.

Die vielen Retter, welche die Höhle vorbereitet hatten, den Verletzten begleitet und ans Tageslicht gebracht hatten, werden mit eben diesen Hubschraubern der Bundeswehr und Polizei ins Tal geflogen.

Die Bergwacht Bayern, die Gemeinde, die Bundeswehr und zahlreiche freiwillige Helfer haben noch jede Menge zu tun. Für sie ist der Einsatz noch nicht zu Ende, nun gilt es das Material ins Tal und den Einsatz insgesamt zu Ende zu bringen. Gilt es doch, die „Riesending Höhle“ von den Seilen und Haken, die verlegt und hinterlassen wurden, zu befreien. Ein richtiges Problem ist der Bekanntheitsgrad, den sie durch den europaweiten Einsatz erreicht hat. Der Eingang zur Höhle muss vor neugierigen Eindringlingen mit Gittern sicher verschlossen und die Infrastruktur, die übertage zur Rettung notwendig war, entfernt werden.

Die unzähligen Medien, die das Pressezentrum im Feuerwehrhaus Berchtesgaden 10 Tage bevölkerten, schließen, mit Ausnahme von Extrasendungen, die in den kommenden Stunden ausgestrahlt werden,die Rettung des Verletzten ab. Sie sind am Höhepunkt und somit am Ende der Story angelangt und ziehen weiter zur nächsten Nachricht, zu einem neuen Ereignis.

Die Beteiligten haben erstklassige Arbeit geleistet, wie wir als Zuseher via Medien erfahren konnten. Internationale Mannschaften, die aus ausgezeichneten und erfahrensten Höhlenforschern – und rettern, Felsssicherungsexperten, Felskletterer aus Italien, Deutschland, Kroatien und Östereich sowie der Schweiz zusammen gesetzt waren, haben Unwahrscheinliches geleiset. Jeder Einzelne hat entsprechend seiner oder ihrer Fähligkeiten einen physischen und psychischen Kraftakt gesetzt. Diese internationale, mitteleuropäische Zusammenarbeit wurde von der bayerischen Bergwacht entsprechend gut koordiniert, die Versorgung sowie die Sicherung aller Mitarbeiter/innen gewährleistet, wobei auch die Bundeswehr und Betriebe ihren Teil dazu beigetragen haben.

Ich habe die Rettungsaktion in den Medien verfolgt und bin über Radio, Fernsehen und natürlich via Internet mit Informationen versorgt worden. Es war genau jene Portion Information, die mein Mitgefühl erhalten, Interesse aufkeimen ließen und Bewunderung hinterlassen haben.

Manche Kommentare in Internetforen stellten Fragen nach der Finanzierung oder nach dem Zweck des Einsatzes. Diese, häufig, zynisch formulierten Aussagen wurden nur ansatzweise von anderen Usern beantwortet. In der Regel sehr sachlich, wie zB. die Finanzierung von Unfällen durch eine Versicherung der Höhlenvereine. Inwieweit eine Anforderung internationaler Kräfte durch das Innenministerium von Krankenversicherungen finanziert wird, ist eine Vereinbarung von Institutionen. Diese Antworten sollten nun ebenso professionell gegeben werden, wie der Ablauf hervorragend abgewickelt wurde. Wir leben in einer durchwegs ökonomisch orientierten Gesellschaft, die eben aufgrund des wirtschaftlichen Werts auch viele Neider produziert. Diese gehören mittels sachlicher Antworten zufrieden gestellt. Und sei es nur, wie eine Userin im Forum antwortete: Der eine isst zuviel, der andere trinkt zuviel und wieder einer produziert einen Radfahrunfall. Die Krankenkasse zahlt auch für dich.

Dazu sollte in der Rechnung unbedingt die Leistung freiwilliger Helfer enthalten sein. Die gesamte Leistung sollte einer Rettungsübung gegenüber gestellt werden.

Eine weitere Frage, die meines Erachtens nicht ausreichend beantwortet wurde, war die grundlegende Frage nach der Notwendigkeit der Höhlenforschung. Nach Recherchen erkenne ich als Gemeinschaftsnutzen den Zweck des Kartographieren von Höhlen und die Unberührtheit der Natur in der Höhle, welche Lebensräume für biologische Forschungen eröffnet Die Erkenntnisse der geologischen Grundlagen zur Wasserversorgung ganzer Regionen können mittels Erforschung von Höhlen erkannt werden. Aber vielleicht gibt die Extrasendung im BR, heute Nacht um 22.00 Uhr über diese Unklarheiten und darüber hinaus, Auskunft.

Ich fühle nun, nach nunmehr 11 Tagen, enorme Erleichterung. Dabei war ich Zaungast, am Rande einer möglichen Katastrophe, die in das Gegenteil verkehrt wurde. Und wie durch ein Wunder beginnt es erst jetzt zu regnen, ja gar zu hageln, nahe beim Untersberg.

ein sektkorken knallt

rosen-beim-bankerl

Ein Sektkorken auf der Parkbank?
Rund um das Bankerl liegen, verstreut im weiß-grauen Schnee, Rosenblätter. Lieblich schaut es aus und die Gedanken wandern zu jenen großen Ereignissen des Lebens. Das war vielleicht ein Heiratsantrag oder gar die Feier mit festlich gekleideten Menschen. Schöne Bilder tauchen aus der eigenen Vergangenheit auf und mischen sich mit aktuellen Ereignissen und Bildern aus Magazinen. der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, ich setze mich neben dem Sektkorken und beginne zu träumen.

Einen Tag später. Wiederum der gleiche Weg und ein nutzloser, gebrauchter Sektkorken liegt auf der Bank. Davor sind sorgfältig im Kreis aufgelegt, die Hülsen abgeschossener Raketen. Das ist schon ein Witz, wegräumen hätten Sie den Mist wenigstens können. So ein Saustall.

Dieselbe Szene mit unterschiedlicher Betrachtungweise, ja vielmehr Stimmung oder Einstellung. Die romantische Version, welche das Herz leichter macht, die mich fröhlich oder auch traurig stimmen kann. Die liebende und verständnisvolle Sichtweise auf Ereignisse des Alltags. Daneben exisitiert die Ordnung der Gemeinschaft, auch sie findet Platz im großen Reigen der Überlegungen. Gedanken sind frei.

Mein Blick wandert zur Magdalenakirche und wieder taucht die Szenerie vor mir auf. Festlich gekleidete Menschen treten vor die Kirche, strahlen um die Wette, die einen oder anderen tuscheln, nesteln an Taschentüchern und frieren ein wenig. Eine Hochzeit findet statt. Die Fotografin bittet das Paar entlang des mit Rosen bestreuten Wegs zur Bank zu gehen und dort Platz zu nehmen. Die schönen hochhackigen Schuhe versinken im Schnee. Ein kräftiger Verwandter schnappt die Braut und trägt sie zur Bank. Ein Sektkorken knallt und das kleine Feuerwerk wird gezündet.

Hat Alles Seine Zeit?

Die einen nennen es Wunder, die anderen sagen Schicksal dazu. Hängt wohl auch davon ab, ob das Ereignis besonders gut oder besonders schlimm bewertet wird.
Mein Wunder hat sich nicht als vom Schicksal gelenktes Ereignis aufgetan, sondern eine von langer Hand vorbereitete Veränderung. Nun stellt sich die Frage, ob diese Veränderung in irgendeiner Form schon früher möglich gewesen wäre?

„Alles zu seiner Zeit“, meinte eine alte Frau aus der Nachbarschaft. Als Kind überlegte ich, was wohl damit gemeint sei. Das Alles seine Zeit hätte, jeder Mensch, eine Pflanzen- und Tierzeit oder gar die Ereigniszeit. Als ich mir dann, vernunftorientiert diesselbe Frage stellte, bekam ich Antworten aus Büchern. „Die Entdeckung der Langsamkeit“, eine Zeitbeschreibung der besonderen Art von Stan Nadolny. Interkulturelle Kompetenz beschreibt als eine der Fähigkeiten, mit verschiedenen Zugängen zur Zeit, umgehen zu können. Irgendwann begegnete mir der Begriff Ereigniszeit im Gegensatz zur Uhrzeit. Und das bringt mich wieder zur Ursprungsaussage zurück: „Alles hat seine Zeit“, womit vielleicht viel mehr ausgesagt wird, als lediglich der Begriff Zeit umfasst. Jedes Geschehen braucht Voraussetzungen und hat Folgen, die in einem bestimmten Rahmen eingegebettet sind. War das gemeint?

Gedanken spielen mit den Möglichkeiten und gaukeln Erklärungen vor, sie erfinden Muster und Regelmäßigkeiten, die keine sind. Aber sie vermuten auch Chaos, hinter dem sich weit größer angelegte Konzepte verbergen.

Heute vormittag stapfte ich, bei strahlendem Sonnenschein den Hügel zur Magdalenakirche hinauf. Nach der Umrundung der Kapelle traf ich auf dieses Bild, das wiederum einen jener besonderen Sekunden vermittelt, die Leben im Alltag lebenswert machen.

ein wunder

Morgens im Bus

Morgens im Bus habe ich die Gelegenheit, alltägliches Leben in Ruhe zu beobachten. Zuschauer sein und nachdenken bekommen mir gut.

Wenn ich die roten Kugeln betrachte, erkenne ich darin das Prinzip der Hoffnung. Nicht all das Schöne im Leben und das Erwartete oder Erwünschte, sondern die Hoffnung, dass Alles, in seiner Gesamtheit, Sinn hat. Die Kugeln repräsentieren die Erwartungen eines Kindes an das Christkind und die Hoffnung auf das Wunder.

Hoffnung ist ein seltsam anmutendes, zaghaftes aber keinesfalls unbeständiges Gefühl. Es blüht im Verborgenen und ich kann es kaum beschreiben oder gar sofort bei mir und anderen erkennen. Wenn etwas nicht machbar, gar unmöglich und schwer bewältigbar, erscheint, dann keimt dieses zarte Gefühl auf. Und wandelt sich unmittelbar in intensive Kraft. Mit dem Erkennen wächst die Energie, es entsteht Herausforderung, die durch Handeln spürbar wird. Die Hoffnung ist eine Empfindung des Denkens, sie zeigt sich zum Zeitpunkt des Nichthandelns; während das Gefühl des Mutes, jene Kraft zeigt, welche die Herausforderung braucht, um sie zu bewältigen. Also ein Gefühl des Handelns.

Wie erkenne ich Hoffnung im Alltag und wodurch unterscheidet es sich vom Fatalismus?

Gedankenlosigkeit und hektisches Tun sind die Räuber der Hoffnung. Das Treiben des Alltags, in Hektik und Eile stiehlt mir das feine Gespür für die Hoffnung, das wunderbarste Gefühl, das ich kaum beschreiben und unmöglich bei anderen erkennen kann. Sobald jedoch, bei mir, der Eindruck des nicht Machbaren entsteht, sehe ich Herausforderung.

Als Kind hatte ich, an Tagen vor dem Nikolausfest, die Erwartung, Krampusse zu sehen und zu hören und doch nicht geschlagen zu werden. Besuche ich eine Ausstellung, hoffe ich, ein wunderbares, besonderes Bild zu sehen. Vor einigen Jahren war es die Hoffnung, wieder gehen zu können und als dies gelungen war, die Hoffnung, irgendwann Ski zu fahren. Vor einigen Monaten hoffte ich, die neuerliche Erkrankung mit dem Ignorieren und Nichtlesen der Diagnose verschwinden zu lassen.

Ich muss erkennen, dass dies alles mit Hoffnung nichts zu tun hat. Das sind reale und irreale Wünsche an das Leben. Ich musste erkennen, dass die Wirklichkeit vielschichtiger ist, worin der Sinn von Ereignissen verborgen bleiben kann. Gleichzeitig kommt der Gedanke auf, dass die Bewältigung von Schwierigkeiten und Herausforderungen eine Form der emotionalen Intelligenz darstellt. Wenn es die Gefühle zulassen und Wünsche nicht überhand nehmen, bleibt die Sicht auf den Sinn der Ereignisse offen.

Es wäre fatal, Hoffnung mit Fatalismus zu verwechseln, doch worin sie sich unterscheiden, ist mir noch nicht klar geworden. An einem anderen Tag!

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All das Schöne im Leben

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Mein Weg führt mich in die Hellbrunner Allee und ich lande mitten im Adventmarkt. Alle Jahre wieder bin ich von den Kugeln auf lebenden und geschnittenen Bäumen beeindruckt. Diese Kugeln sind für mich das Sinnbild des Weihnachtsfests. Mein persönliches Weihnachten, wie ich esals Kind wahrgenommen und erlebt habe. Ich kann, scheinbar, den Geschmack der Vanillekipferl auf der Zunge zergehen lassen, rieche den wenig süßen und wunderbaren Glühwein meiner Mutter und wenn ich wirklich ruhig werde, höre ich das Knirschen des frischen Schnees auf dem Weg zur Christmette.

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Natürlich überwiegt bei all den Tausenden von Weihnachts- und Adventmärkten´der wirtschaftliche Aspekt. Mittlerweile gibt es fünf Wochen lang, in Mitteleuropa und möglicherweise anderen Gegenden der Welt diese Treffpunkte mit heißem Punsch, Dekormaterialien und unnützen Geschenken. Sie entsprechen dem Paradigma des westlichen Menschen, deren öffentliches Leben kommerzialisiert und religiöses Leben und Denken privatisiert wurde. Nicht so sehr die Spiritualität, die ist sowohl im Internet als auch in Büchern und Zeitschriften sehr gut vertreten.

An manchen Orten gelingt es mir, die Hülle des Ökonomischen zu entfernen und den Lack des scheinbar Spirituellen abzukratzen. Dann tauche ich sekundenlang in die kindlichen Gefühle ein. Ich empfinde die reine Freude der Erwartung die ähnlich gut tut, wie ein Schluck frisches Wasser bei einer Wanderung, barfuß im Regen gehen oder Sonnenwärme im August.

Für einen Moment nehme ich die reale Welt mit der Sinnlichkeit vergangener Tage wahr. Oder fühle nVergangenes, in unterschiedlicher Konstellation und nicht nach intellektuellen Kriterien gefiltert. Schon ist es wieder da, das verstandesmäßige Erkennen und Bewerten.

Das Gespräch der beiden Damen zur Rechten hat den Vergleich von Weihnachtsmärkten in der Umgebung zum Inhalt. Die Beiden besuchen seit Jahren den Christkindlmarkt am Domplatz und kennen scheinbar alle Stände am Hellbrunner Markt. Alle Achtung, bei dieser Menge, ist der Überblick nicht leicht zu wahren. Vor mir taucht eine Frau, verkleidet als Weihnachtsmann auf, der Kommerz hat mich wieder.

Mein neues Headerbild, mit all den roten Kugeln, trägt mich immer und immer wieder in das Land der roten Kugeln. Dort gibt es keine Einschränkung. In dieser Unendlichkeit ist alles möglich, es bedeutet für mich, all das Schöne im Leben.

ich gehöre hierher

Ich gehöre hierher,
wie alles hier
die Luft zum Atmen und
grauer Stein im Glockenklang.

Ich bin hier,
mit meiner Erinnerung,
wie alles hier
im Takt des Atems.

Ich gehöre hierher,
mit meiner Erinnerung,
und atme im Takt
des Glockenklangs.

1959